Zum Zustand der Bäume und der Baumpflege im Bezirk

KA 421/VI

Jahr für Jahr wird der Baumbestand in Berlin stark reduziert und durch unsachgemäße Pflegeeingriffe nachhaltig geschädigt. Gründe sind u. a. fehlende finanzielle Mittel und der Abbau des Personals auf Bezirksebene. Wie hat sich die Situation der Bäume, besonders die der Straßenbäume, in unserem Bezirk im Jahr 2010 entwickelt?

Ich frage hierzu das Bezirksamt:

 1)      Wie viele Straßenbäume wurden im Bezirk im Jahr 2010 gefällt und nachgepflanzt?
Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?

20 Fällungen, 83 Neupflanzungen

Die aktuelle Zahl beträgt 45.073 Straßenbäume. Insofern hat sich der Straßenbaumbestand gegenüber dem letzten Berichtszeitraum um 63 Stück erhöht. Die Bilanz seit 2007 weist eine Erhöhung des Straßenbaumbestandes um 67 Stück aus.

Bei den Anlagenbäumen ist seit 2007 ein Zuwachs von 360 Stück zu verzeichnen.

Insgesamt hat sich der Baumbestand auf öffentlichen Flächen seit 2007 um 352 Stück erhöht.

2)      Wird die Gesamtzahl der Straßenbäume im Bezirk auch noch durch andere Faktoren als Fällungen und Neupflanzungen beeinflusst?
Wenn ja, welche Faktoren sind das?
Die Anzahl verändert sich letztlich nur durch Fällungen und Pflanzungen.

3)      Gibt es im Bezirksamt ein digitales Baumkataster und welches Produkt wird genutzt?
Ja. Das Programm dgb-Baum ist Bestandteil des GRIS der Berliner Natur- und Umweltämter.

Wie viel Prozent der Straßenbäume im Bezirk sind in diesem Kataster erfasst?
Wenn noch nicht der komplette Bestand erfasst ist, wann wird die Erfassung voraussichtlich abgeschlossen sein?

 Es sind alle, also 100 % der Straßenbäume im Kataster erfasst. Unterjährige Schwankungen sind auf Veränderungen von Grundstückszuordnungen zurückzuführen.

3a)  Werden nur Straßenbäume oder auch Bäume in Parks und Grünanlagen in das Kataster aufgenommen?

 Ja, es werden auch Anlagenbäume aufgenommen. Aktuell sind ca. 90 % der Anlagenbäume erfasst.

4)      Werden Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt? Wenn ja, wie viele Leute umfasst das Team?

 Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle werden sowohl durch eigenes Personal durchgeführt als auch, je nach Situation, an entsprechende Firmen vergeben.

Angeleitet von zwei Diplomingenieur/innen sind in den beiden Baumkolonnen insgesamt 9 Mitarbeiter/innen beschäftigt. Die Baumkontrollen werden von 4 Mitarbeiter/innen auf Grundlage der hierfür geltenden Arbeitsanweisung / Baumkontrollrichtlinie durchgeführt. Kontrollen im Wert von rund 70.000 € sind an eine Firma vergeben, unter anderem die der Bäume auf den Friedhöfen.

Die Jungbäume werden von den Revieren gepflegt, zusätzliche Wässerungsgänge, zum Beispiel bei anhaltender Trockenheit, sind an eine Firma vergeben. Rund 1.000 Bäume werden durch eine Firma im Rahmen eines Auftrages gepflegt.

Schnittarbeiten oder Fällungen, zu deren Erledigung die technischen oder personellen Kapazitäten des Natur- und Umweltamtes nicht ausreichen, werden im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets ergänzend an Fachfirmen vergeben.

5)      Mit welchen Mitteln wurden Straßenbaumpflanzungen im Jahr 2010 bezahlt?
Wie hoch ist der jeweilige Anteil an bezirkseigenen Mitteln, Spendengeldern und Geldern aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen?

 Das aktuelle Gesamtjahresbudget des Produktbereiches 52 in den Kapiteln 4720 und 4723 belief sich auf 13,5 Mio. €. Davon entfallen 1,14 Mio. € auf das Produkt Pflege und Unterhaltung von Straßenbäumen.

Es gab 2010 für Straßenbäume keine Spendengelder, keine investiven Mittel und keine Mittel aus Ausgleich- und Ersatz.

6)      Wie hoch ist der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege im Bezirk?
Wie viel wird hiervon für Straßenbaumpflanzung und ‑pflege verwendet?

6a)  Welche zusätzlichen Mittel bzw. Personal würden sie jährlich benötigen, um die Defizite bei der Straßenbaumpflanzung und -pflege auszugleichen und das erforderliche fachliche Niveau nachhaltig zu sichern?

Allein für die Pflegeprodukte im Kapitel 4720 – also ohne Friedhöfe – wurde im Rahmen des Pflege- und Entwicklungsplans für eine fach- und qualitätsgerechte Pflege der öffentlichen Grün- und Freiflächen ein notwendiges Budget in Höhe von 16,7 Mio. € ermittelt. An Arbeitskräften wurden 244 ermittelt. Zurzeit sind es in diesem Bereich 144, also 59 % des Bedarfs.

Das tatsächliche Gesamtsachmittelbudget 2010 in den Kapiteln 4720 und 4723 (Friedhöfe) belief sich – einschließlich Straßenreinigungsgebühren in Höhe von rund 2 Mio. € – auf
4,58 Mio. €, lag also unter 27 % des Bedarfs, einschließlich der Gebühren, bei Abzug dieser sachfremden Kosten bei unter 15 %.

Davon standen in den Titeln 521 10 und 521 11 insgesamt 1,42 Mio. € Sachmittel für Eigenleistungen und Vergabe in der Grünflächen- und Baumpflege zur Verfügung.

Das gutachtlich ermittelte erforderliche Budget allein für die Pflege der 45.010 Straßenbäume betrug rund 1,42 Mio. € bei 24,5 notwendigen Arbeitskräften, weiterhin für die Pflege der 54.572 Park- und Anlagenbäume ein Budget in Höhe von 1,46 Mio. € bei notwendigen 24 Arbeitskräften und zusätzlich für die Pflege der Baumbestandsflächen ein Budget in Höhe von 1,9 Mio. € bei notwendigen 26,5 Arbeitskräften. Der Gesamtbedarf allein für die Bäume betrug also 4,78 Mio. € und überschritt damit schon das zur Verfügung stehende Gesamtsachmittelbudget um 4 %. Der Personalbedarf betrug 75 Arbeitskräfte, also 52 % des zurzeit beschäftigten Personals.

7)      Gibt es im Bezirk ein Schadmonitoring für Straßenbäume?
Wie hoch ist der prozentuale Anteil des Gesamtbestands an den jeweiligen Zustandsbewertungs- bzw. Schadensklassen? Wie viel Prozent der Straßenbäume sind in ihrer Vitalität stark und sehr stark eingeschränkt?

 Ein klassisches Schadmonitoring wird vom Natur- und Umweltamt selbst nicht durchgeführt und auch nicht beauftragt. Hierfür fehlen die personellen und finanziellen Voraussetzungen (siehe die Ausführungen zu den Punkten 5 und 6).

Das Pflanzenschutzamt führt an ausgewählten Standorten in verschiedenen Bezirken – auch in Marzahn-Hellersdorf – Langzeituntersuchungen zur Wirksamkeit verschiedener Mittel gegen die Kastanienminiermotte sowie zur Ermittlung der Auswirkung der Verwendung von Tausalzen im Straßenraum durch.

Im Rahmen der Erfassung und Kontrollen der Bäume werden durch die Mitarbeiter/innen die Schadstufen der Bäume bewertet, im Kataster festgehalten und fortgeschrieben. Bei ca. 65 % der Bäume sind die Schadstufen erfasst. Ca. 50 % der Bäume sind in ihrer Vitalität stark bzw. sehr stark eingeschränkt.

8)      Wie viele Straßenbäume verfügen über technische Schutzeinrichtungen des erdnahen Stammbereichs bzw. der Baumscheibe?

 Eine genaue Anzahl lässt sich zurzeit nicht ermitteln. Technische Schutzeinrichtungen, wie zum Beispiel Baumroste, kommen in stark begangenen Flächen zum Einsatz, zum Beispiel auf dem Elsterwerdaer Platz. Teilweise kommen Baumschutzgitter, Baumbügel, Poller oder Geländer zum Einsatz. Ein Teil der Bäume in der Elisabethstraße wurden im Zuge der Neupflanzung mit Wurzelbrücken ausgestattet.

Grundsätzlich erhalten alle Bäume bei der Pflanzung Verankerungen als Drei- oder Vierbock, in besonders gefährdeten Bereichen mit vierfacher Verlattung im Stammfußbereich.

8a)  Wie hoch ist der prozentuale Anteil von 2010 durchgeführten Fällungen durch langfristige Schäden im wurzelnahen Bereich?

 9 Stück, das entspricht rund 43 % der Fällungen bei Straßenbäumen.

8b)  Welche finanziellen Mittel hat der Bezirk im Jahr 2010 für besondere Schutzeinrichtungen von Stammfuß und Baumscheibe aufgewendet?

 Keine.

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